Eine Gratwanderung ins neue Jahr

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Traumtanzen ist das eine. Stabiles Seil unter den Füssen haben etwas anderes. Aber abstürzen, das überlassen sie schon den Feiernden unter sich. Erhellendes über die Öff Öff Productions, die heute einen Hauptpart in der Silvesternacht «Cinque Stelle» in Burgdorf bestreiten.

Zwischen den Häusern im Kirchbühl mit den ungeraden Nummern und jenen mit den geraden Nummern sind es ein paar Meter in der Vertikale und etwa dieselbe Masseinheit in die Horizontale. Oder, um es einfacher zu machen: Hinüber oder hinunter ist in Metern dieselbe Strecke. Schwindelerregende Tiefen haben die Seiltänzerinnen der Öff Öff Productions heute Abend ja nicht gerade unter sich und eine weite Strecke bis zum Ende ist es ja auch nicht, aber unterschätzen? Nein, dafür sind die Künstler viel zu professionell. Seit einigen Monaten beschäftigt sich Leiterin Heidi Aemisegger mit dem Burgdorfer Projekt, seit ein bis zwei Monaten sind die vier Beteiligten in einer Fabrikhalle in Olten am Proben. Zwar ist die zu überwindende Distanz nicht riesig, dafür gibt es vier Seile und es gilt eine Choreografie zu gestalten. «Wir erzählen eine Geschichte von den fünf Sternen, die wir einfangen, die aber immer wieder abhauen.» Das sei ein Symbol für das neue Jahr: Ein Ziel erreichen ohne nachzulassen.

Von Rom nach Burgdorf und Wien

Öff Öff Productions ist mehr als nur eine Gruppe von Leuten, die mit einer Stange über ein Seil laufen. Die Kompagnie verbindet Kunst mit dem Nervenkitzel, sei es auf dem Hochseil oder mit Klettern an Stoff oder ähnlichem. Entweder ist es wie in Burgdorf eine Auftragsarbeit oder sie initiieren eine Vorführung selber, weil sie eine Aufgabe oder ein Ort inspiriere. In der Schweiz bekannt wurden sie mit einer Inszenierung unter der Kornhausbrücke in Bern, im Herbst waren sie mit «Eybridge» in Rom, im Frühling folgt Wien mit – unter anderem – einem Hochseil über die Donaubrücke. «Es gibt nicht so viele Gruppen in Europa, die solches tun», erklärt Aemisegger. Dementsprechend ist die Truppe sehr international. Herkunftsorte sind Finnland, Südafrika, Deutschland und die Schweiz. «Das macht die Kommunikation manchmal sehr schwierig. Englisch, Französisch und Schweizerdeutsch brauche sie. Acht Leute sind dabei, sie treten in wechselnden Formationen auf, je nach Auftrag. In Burgdorf treten mit Jenni Arne, Lucie Pasquier, Marc Brunner und Heidi Aemisegger vier Mitglieder auf, dazu kommt Peter Affentranger für die Technik und dazu gehören Leute für das Licht.

Die Ambiance als wichtiger Punkt

Die Herkunft der acht Leute sei ganz verschieden, erklärt die Leiterin. «Tanz-, Theater- oder Zirkusausbildung». Was es brauche, sei eine enorme Konzentrationsfähigkeit. Es sei nicht nur der Nervenkitzel, welcher die Faszination ausmache, sondern die Notwendigkeit, sich auf einen Punkt konzentrieren zu können. «Ich muss zentrieren, nur bei mir selber sein. 150 Prozent, wie beim Bogenschiessen», erklärt Aemisegger. «Es liegt nichts drin, ausser links und rechts.»

Kein Wunder also, spielt die Ambiance eine Rolle. Es gebe es relativ häufig, dass jemand die Konzentration nicht aufbringe und aufgebe. Meistens seien die Zuschauer – wie sie selber übrigens, wenn sie ihren Kollegen zuschauen – ruhig und hielten den Atem an, aber der Umgebungslärm könne das Unternehmen beeinflussen. In Berlin beispielsweise gab es aggressive Musik, was es schwer gemacht habe. In Burgdorf wird das Wetter eine wichtige Rolle spielen und auch das Licht. Wenn es windet oder regnet, wird es schwierig. Für den Regen hat man immerhin einen Trick: Harz an die Schuhe. Für Laien gilt: Nicht nach unten schauen.
Aufführungen: 20.30, 22.30 und 00.30 Uhr.

Balance Das Kirchbühl ist weder breit noch hoch, was allerdings die Anforderungen für Öff Öff Productions in der Silvesternacht in Burgdorf nicht mindert.

Kabarett bis Gespenster

Die Silvesternacht «Cinque Stelle» in Burgdorf bietet viel. Wer sich einen leuchtenden Stern ansteckt, erhältlich für fünf Franken, kann so ziemlich alles haben, was es zu erleben gibt und zwar von 18.15 Uhr und bis tief in die Nacht. Die Tatorte sind die Stadtkirche (Gottesdienst, Orgelmusik, Küffer), Casino-Bühne (Lorenz Pauli, LippTon, Christina Egli), Marktlaube (Apéro, Disco), Stadthauskeller (Tingel Tangel, Kabarett), Kino Krone (Stummfilme mit Klavier), Kronenplatz (Spano, Chica Torpedo, FuFisch), Da gino (Rattle Snake), Schmidechäuer (Französische Chansons Eustratiades und Lpalud), Schlachthaus (Luginbühl-Ausstellung) und Sternwarte (Sternendeutung, nur bei klarem Wetter).

 

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