Winterschlaf hier, Alptraum dort

Winterschlaf hier, Alptraum dort

Die Aargauer Zweitdivisionäre werden die Pause bis zum Wiederbeginn im Februar auf unterschiedliche Art verbringen. Mit dem Sieg im Derby hat sich Wohlen vom Abstiegskampf entfernt, Baden bleibt hingegen fest darin verstrickt.

michele coviello

Wohlens Alain Schultz hat seine Schuhegewaschen und setzt sich. Die Bilanz seines Spiels? Ein Tor, ein Assist, ein aufgeschürftes Knie. «Wenn wir jetzt verloren hätten», sagt Schultz, «dann hätten wir das Messer am Hals gehabt.» Vor dem Derby war die Luft zu den Abstiegsrängen dünn. Deshalb habe er am Schluss gezittert. «Der Anschlusstreffer ist früh gefallen», so Schultz, «dann brannte es.» Knapp vierzig Minuten hat Wohlen seinen Vorsprung aber gut und fast gefahrlos gehalten. Blutig bleibt es also vorerst nur auf Schultz’ Knie. Mit dem Sieg über Baden kann der FC Wohlen mit zwanzig Punkten auf einem Mittelfeldplatz pausieren – der Winterschlaf sollte ruhig vor sich gehen.

Mit zwei Siegen, einem Unentschieden und einer Niederlage haben Pius Fischbach und Emilio Munera ihre Aufgabe als Interimstrainer auf ansprechende Art gelöst und die zum Ziel gesetzten sieben Punkte erreicht. Der letzte Schritt zu einem guten Abschluss musste allerdings im Derby geschehen. Dass es auch in so einer schwierigen Begegnung geklappt hat, stellte Fischbach zufrieden: «Ich wollte dieses Spiel mit Haken und Ösen gewinnen, um es der Mannschaft mitzugeben.» Entsprechend nervös sei er gewesen. «Es war mein engagiertestes Spiel», sagt Fischbach, «ein sensationeller Abschluss.»

Der FC Basel zeigt Interesse

Auch für Munera war die Zeit als Interimstrainer belastend: «Es war eine schöne Erfahrung, die an Nerven und Kräften gezehrt hat.» Die Situation sei nicht einfach gewesen, aber die Reak tion der Mannschaft habe ihm Freude gemacht, sagt Munera. Mit Erlachners Amtsantritt am 1. Januar wird er wieder seine Aufgabe als Sportchef und Coach übernehmen. Fischbach hingegen möchte dem Verein als Spielerbeobachter verbunden bleiben und gab bekannt, dass der FC Basel Interesse an einer Zusammenarbeit mit Wohlen signalisiert hat.

Anders die Lage in Baden. Mit dem gestrigen Sieg von La Chaux-de-Fonds fehlen den Ostaargauern elf Punkte zu einem rettenden Platz. Aus 17 Begegnungen holten die Badener nur vier Zähler durch ebenso viele Remis, der letzte Platz der Challenge League war unumgänglich. Von einer ruhigen Phase über den Winter kann man nicht sprechen. Fast einem Alptraum ähnlich ist die Lage der einst zweiten Kraft des Kantons. «Ich bin genug realistisch», sagt Sportchef und Interimstrainer Franz Peterhans, «es wird schwierig.»

Wer neuer Trainer in Baden wird, ist offen. Über alle Kommunikationsmittel seien Bewerbungen aus der Schweiz und dem Ausland eingetroffen. Eine Entscheidung soll während der nächsten drei Wochen gefällt werden. Klar ist allerdings schon, dass das Interimsduo Peterhans/Koller nicht weiterwirken wird. «Wir werden einen neuen Trainer verpflichten», sagt Peterhans, der nicht über die nötigen Diplome verfügen würde. Bekannt sind zurzeit Ponte, Jacobacci, Schönenberger und Andracchio. «Vielleicht gibt es noch eine Überraschung», sagt Peterhans. Die Neugier steigt.

Badens erste Abgänge

Rochaden finden aber schon unter den Spielern statt. Die Verteidiger Kazik Nicolo und Igor Hürlimann verlassen den FC Baden zugunsten ihrer ehemaligen Vereine Locarno und GC. Der 21-jährige Hürlimann war von den Grasshoppers zweieinhalb Jahre lang an den FC Baden ausgeliehen worden und hatte lange als Abwehrchef agiert. Auch auf jener Position besteht jetzt Handlungsbedarf. «Wir können nicht alles zusammenkaufen, die finanziellen Grenzen sind gesetzt», sagt Peterhans. Klar ist, dass Baden punktuelle Verstärkungen vornehmen wird und muss.

Es gibt wenige Lichtblicke in dieser vertrackten Situation. Tatsache ist, dass der FC Baden meistens mit einem Tor Unterschied verloren hat. Urs Meier habe eine gute Mannschaft hinterlassen, sagt Peterhans. Die Dreipunkteregel lässt ein wenig Hoffnung übrig. «Wenn wir eine Serie hinlegen können», erwägt Peterhans, «dann ist es schnell geschafft.» Wie hart es aber sein wird, eine zu starten, weiss Peterhans genau. Service Seite 24

Der Vorbereiter Wohlens Carmine Viceconte leitet mit seinem energischen Antritt das 1:0 ein.

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